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(Ari Nadkarni)

Es gab weltweite Proteste, bei denen sich die Demonstranten im Zuge der sogenannten Eggcupy-Bewegung zum Ausdruck ihres Einspruchs gegen die privilegierte Privatisierung von Zukunftsvorhersagen unter dem Motto „Stand up for Egguality“ auf der Wallstreet und dem Servatiiplatz an das Ausbrüten von Hühnereiern machten, was zu vielen Spiegeleiern und klebrigen Hosenböden führte. Allerdings konnten effiziente Lobbyisten den entsprechenden Ministern trotzdem genug Honig um den Bart schmieren, um das neue Sender-Empfänger-Modell genehmigt zu bekommen.
So begann man mit dem Bau der außerordentlich verfressenen aber kleineren Henne, dem sogenannten „Halben Hähnchen“. Die Fertigstellung verzögerte sich zunächst um ein, dann zwei, schließlich 4 Jahre, denn für einige der Investoren höheren Alters, die sich morgens vor dem Spiegel Tag für Tag selber beim Verenden zusehen mussten, lohnte es sich einfach nicht mehr, in ihre Zukunft, geschweige denn in das Wissen um ihre Zukunft, zu investieren, und sie stiegen aus dem Projekt aus.
Doch schließlich war es soweit und kaum war das halbe Hähnchen geschlüpft, entstand ein Zertifikatemarkt, über den – zu horrenden Preisen und gegen maßlose Unanständigkeiten – Zukunftsvorhersagen versteigert wurden. Und tatsächlich: Die Reichsten der Reichen der Welt lebten fortan ohne Sorge um ihr Leben, denn sie sahen jeden Anschlag voraus und die Attentäter wurden rechtzeitig gefasst. Das führte dazu, dass die Attentäter, von denen es auf den Straßen des multiethnischen Staatenbundes so viele gab wie herumliegende Billigbonbons nach einem Karnevalsumzug, ihre Zielgruppe änderten und auf die Zweitreichsten der Reichen umstiegen, die sich die Zertifikate nicht leisten konnten. Weil nun aber keine Anschläge mehr auf die Reichsten der Reichen getätigt wurden, verzichteten diese zunehmend auf den Kauf von Zertifikaten, bis die zahllosen Attentäter davon Wind bekamen und in einem gemeinsamen Anschlag auf die Yachten der Reichsten der Reichen in der welthistorisch größten Partie Schiffe versenken 80% von ihnen um die Ecke brachten. Das geschah am 06. Juni 2066, ein Datum, das als Bundes-Yacht-Nacht in die Geschichte eingehen sollte. So sauste der Zertifikatpreis wieder auf die Spitze des Himalayas.
Das halbe Hähnchen, ursprünglich nur zu einer Sendung von 8 Informationen im Jahr in der Lage, konnte dank seiner immensen monetären Erträge durch eiweißreiche Ernährung soweit gemästet werden, dass es innerhalb von 10 Jahren seine Kapazitäten verhundertfachte, innerhalb von 20 Jahren verzehntausendfachte, als das halbe Hähnchen schließlich zu platzen drohte, weil seine Ausbesserung erst einmal an die Grenzen ihres Wachstums stieß. Inzwischen konnten aber 80 000 Informationen pro Jahr generiert werden – ein phänomenaler Erfolg in der Geschichte der Zukunftsvorhersagen, durch den das halbe Hähnchen die staatlich finanzierte Henne bei weitem übertraf. Auch die letzte Wahrsagerin wurde so gezwungen, mit ihren Kristallkugeln, Spielkarten und Teeblättern im Koffer in die Warteschlange vor der Agentur für Arbeit zu rücken. Wer sich eine Wahrsagerin leisten konnte und sich wirklich um seine Zukunft sorgte, der konnte sich dank des halben Hähnchens nun mit hundertprozentiger Garantie, die keine kluge Wahrsagerin versprach, von seiner Sorge befreien.
Allerdings wurde ein Gesellschafter des Errichterkonzerns des halben Hähnchens dabei erwischt, wie er sich Vorhersagen über Fußballergebnisse zwecks Sportwetten generierte. Nach und nach wurden immer mehr solcher Fälle aufgedeckt. Dies führte zu einem öffentlichen Skandal, denn unter den Geringverdienern der Welt gab es durchaus noch Leute, die nicht die Mittel besaßen, sich vor Mord und Totschlag durch Zukunftsvorhersagen zu schützen. Die Fälle solcher trivialen Verwendungen häuften sich und als am Höhepunkt des Skandals herausgefunden wurde, dass ein Gesellschafter sich für seine Frau über die Entwicklung neuer Hautcremes informiert hatte, kam in der Bevölkerung die Forderung auf, das halbe Hähnchen durch Zwang zu verstaatlichen und nur noch Vorhersagen über unverschuldet lebensbedrohliche Ereignisse zuzulassen, frei von finanzieller Bevorzugung. Man sprach von einer bedingungslosen Grundlebensversicherung, die im Rahmen der Henne alle Menschen vor Naturkatastrophen und im Rahmen des halben Hähnchens alle Menschen vor sich selbst schützen sollte. Dies hätte die Enteignung des Konzerns zur Folge, den der Staat niemals würde angemessen kompensieren können. Auch reichten die 80.000 Meldungen eines einzelnen Zukunftsjahres nicht aus, um die unverschuldeten Todesfälle eines vergangenen Jahres zu verhindern. So würden riesige Datenbanken erstellt werden müssen, welche die benötigten Nachrichten für einen späteren Versand zu archivierten. Aber, wie man bald sagen wird, die Zukunft hat Zeit.

Sollte es für jeden Bürger eine bedingungslose Grundlebensversicherung trotz der Konsequenzen, wie kurzfristig beispielsweise der Enteignung des Konzerns, durchgesetzt werden?

>> JA! vs. >> NEIN!

oder

Zurück zur letzten Entscheidung.

1 Kommentar

Trackbacks & Pingbacks

  1. Bald tun sie’s auf der Bühne! » Kulturkater sagt:
    2. März 2013 um 00:45 Uhr

    […] >> JA! vs. >> NEIN! […]

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