Der ungewöhnlich gekleidete, kleine kräftige Kerl war mir schon aus der Ferne aufgefallen, als er am Kassenhäuschen mit dem Mann hinter der Scheibe gestikulierend-kollegial plauderte (oder hatte er bloß den Ellbogen vor der Scheibe aufgestützt?). Auf der Fähre sind noch ein paar andere mit Rädern, wie ich, die Wolken geben heute immer wieder für ein paar Minuten die Sonne frei …

Ein Jude vibriert im Gemeinschaftsraum des Hostels in Halifax, Kanada. Er steht in einer Ecke, richtet sich nach einer Richtung aus; eine Art weiße Flachs-Schürze hat er sich umgehängt, ein kleines zerlesenes Buch in der Hand, und dann hat er den Kopf (mit Kippa und Schläfenlocken) entweder in seinen langen grauschwarzen Bart gesenkt, oder er schaut entrückt „woanders“ hin, während er seine Litanei aufsagt, klagt, sich oft wiederholt.

Dierk Seidel Kurzgeschichte: Die Tankstelle unten am Fluss

Am Montag gehst du zur Arbeit und fragst dich wieso.
Du stehst mit dem Eis in der Hand an der Tankstelle, in der Nähe vom Fluss und denkst:
„Gut, dass das Eis keine brennende Zigarette ist.“

Ich war schon länger als eine Stunde durch Downtown Columbus (Ohio) gewandert, ehe ich mir eingestand, nicht daß ich die Bushaltestelle nicht finden würde, sondern daß nach Mitternacht ohnehin kein Bus mehr fahren würde; und so, an den Hochhäusern und dem überdimensionierten Opernhaus mich orientierend, noch über zwei dunkle Straßen und einen Parkplatz, mein Gepäck vor und hinter den Körper geschnallt, inzwischen stark schwitzend, fand ich …