Du stehst mit einem Kollegen an einem Tisch in der Bahnhofsbäckerei Wuppertal-Oberbarmen und weil du dem Elend um euch nur so viel Lästerei zugestehst, wie dein heimlicher Elitarismus zum Atmen braucht, gehen euch irgendwann die Gesprächsthemen aus. Die Bahn nimmt darauf keine Rücksicht und wird pünktlich, aber doch erst in gut einer halben Stunde kommen. Also beißt man ins Croissant und surft mit dem Handy, bis der Akku qualmt. Und dann, dann fällt deinem Kollegen auf einmal so ein Satz aus dem Mund wie: „Eigentlich bin ich ja ganz froh, dass es diese Anti-Islam-Demos gibt oder gab.“
Kurzgeschichten, Fabeln uvm.
Jemand riet ihm, wenn die Verbindung zum Publikum mit wachsender Routine abzustumpfen drohe, wenn das Lampenfieber fehle, das Gähnen auf der Bühne sein Pendant im Publikum zu übertönen begänne, dann solle er sich an seine Message klammern: die Weisheit unters Volk bringen. Seine Mission als Mann des Geistes annehmen, seine Weltsicht pointiert formulieren und mit der Kraft der Stimme sprechen, die nur im Kokon der vollkommenen Überzeugung von sich und seinen Ideen heranwachsen kann.
Ich bin wach und voller Ungeduld und fühle mich nicht frei. Warum? Ich warte auf den Tag an dem jemand kommt und etwas sagt. Wer es ist, das weiß ich nicht. Ich starre an die Decke, liege auf meinem Bett, ohne Decke, und starre vor mich hin. Das Neonlicht der Gedanken zermürbt mein Empfinden und ich schließe die Augen und erblicke einen leeren Raum. Meine Kleidung weiß, alles weiß und die Wände kommen näher.
Soll ich mich rasieren oder lieber nicht, frage ich mein Spiegelbild und es schweigt.
Ziehe ich eine Jeans an oder lieber eine Stoffhose, frage ich mein Spiegelbild. Und es schweigt.
„Du bist langweilig“, sagte Fisch.
„Ich weiß, ich weiß, das hat mir vorhin schon einer gesagt. Aber ich weiß nicht so ganz, was ich dagegen machen kann. Ich suhle mich den ganzen Tag in einem Eimer voll Aufmerksamkeit. Schwimme förmlich darin, und dennoch sagt man, mein Wesen sei langweilig. Passt nicht. Gestern noch. Ich dachte, dreh‘ ich mal voll auf. Hab den Fernseher ganz laut gemacht und das Fenster aufgemacht. Dazu hab ich meinen Apfelsaft aus der Flasche getrunken.“
Wenn am letzten Tag der erste Ton erklingt, dann spüre ich, dass es nach unendlich langer Zeit geschafft ist. Wenn am letzten Tag der erste Ton erklingt, dann weiß ich, dass wir überlebt haben und dass wir nicht die einzigen sind.Denn wir haben den Ton nicht erklingen lassen. Wie eine Ode an die Freude, wie eine kleine Horrorshow oder eine Rockoper a la Tommy, wie Pink Floyd auf Anabolika, wie …






