Jonas Ohland

Nature One 2013 – A Time to Shine Teil 2: Photonenorgie

Jonas Ohland: Lightshow 1Es gibt eine Straße, die die Campingfelder mit der Raketenbasis Pydna verbindet. Für gewöhnlich ist dort alles gesperrt, denn die Basis befindet sich auch heute noch im militärischen Besitz und die Nature One ist das einzige zivile Event, für das die Tore der Basis geöffnet werden. Bis 1987 lagerten dort noch 96 Atomraketen. Heute wird der Standort nicht mehr als Stützpunkt, sondern als Ausbildungsgelände für Kommunikationstechnik genutzt.
Doch garantiert nicht während der Nature. Zehn Tage lang verbauten täglich bis zu 800 Mitarbeiter rund 1600 Tonnen Material in Bühne, Soundanlage, Beleuchtung, Getränkestände, Bungee-Anlage, Flammenwerfer und noch einiges mehr. Und das alles nur, um in den Nächten richtig brachial einzuheizen.

Und wie! Auf der gesamten Raketenbasis teilten sich 4 Mainfloors den Platz mit 17 weiteren Clubs: Der OpenAirFloor sorgte mit der größten Lichtanlage und den bekanntesten DJs für einen enormen Besucherzulauf, das ClassicTerminal brachte die 2000er Trance-Hits zurück ins Leben, der CenturyCircus knechtete das Durchhaltevermögen eines jeden mit den härteren Beats und das HouseOfHouse sorgte für entsprechende Balance. Während sich auf diesen vier Floors die von den Veranstaltern angeheuerten großen Namen tummelten, sorgten die Clubs für eine etwas privatere Atmosphäre.

Aus verschiedenen Nationen wurden siebzehn bekannte Clubs eingeladen, hier ihre eigenen Dancefloors aufzubauen und ihre Residents (Stamm-DJs) zu präsentieren. Ob der ohrenzerfetzend laute Tunnel Trance Club in einem der Schutztunnel, die flotten Masters of Hardcore auf freier Fläche oder der Heavens Gate Club auf einem der 7 Bunker-Hügel von Pydna, alle waren einen Besuch wert. Es ist wirklich bedauernswert, dass wir nicht die Zeit hatten, uns alles genau anzusehen, oder besser: anzuhören.

Die verbratene Leistung näherte sich damit dieses Jahr wohl wieder gefährlich der Megawattgrenze. Alleine die Soundanlagen waren wirklich heftig dabei, denn die Subwoofer darf man sich hier nicht mehr als Lautsprecher vorstellen. Man nehme viel mehr drei Wandschränke pro Ecke des Floors und pumpe viel zu viel Leistung hinein: Das Ergebnis lässt einem die Kleidung am Körper schlottern, sorgt für automatische Beatmung und verpasst einem gleich die nötige Herzmassage, falls der Kreislauf zum Erliegen kommt. Bass war noch nie so physisch spürbar wie auf der Nature One. Wie es Leute geschafft haben, ohne Ohrenstöpsel unmittelbar vor den Infraschallwänden zu feiern, entzieht sich meinem Verständnis. Immerhin glich das Klangerlebnis selbst aus einem halben Kilometer Entfernung schon einem ausgewachsenen Sommergewitter vor der Haustür.

Jonas Ohland: Lightshow 2Es gab nur eines, was noch einen draufsetzen konnte: die Lichtshow. Alles fing damit an, dass die vier Discokugeln des OpenAirFloors einen Durchmesser von gut zwei Metern hatten und eigentlich gar keinen anderen Zweck hatten, als die Potenz der Location widerzuspiegeln. Die Dinger hingen in den vier sechsundzwanzig Meter hohen, miteinander verbundenen Gittertürmen und konnten motorisiert auf und abgefahren werden. Dazu gab es für jede Kugel einen mit Moving-Lights bestückten Stahlring, durch den die Kugel sauber durch passte, der ebenfalls auf und ab gefahren werden konnte und dazu noch in zwei Achsen neigbar war. Aber wer schon einmal in einem größeren Club war, der weiß, dass große LED-Panels mittlerweile ein absolutes Muss sind und es somit nicht bei ein paar popligen zwei-Meter-Discokugeln bleiben kann. Also klatschen wir schnell noch ein paar lange LED-Panels um die vier Türme, damit wir eine angemessene Lichtburg zum Feiern haben. Und wenn wir schon dabei sind, bekommt die Bühne genau das Gleiche verpasst. Ach ja, die 24 LED-Monitore über dem DJ doch bitte noch in zwei Achsen drehbar. Und selbstverständlich brauchen wir noch zwölf leistungsstarke, grüne Laserprojektoren mit den passenden Nebelmaschinen. War es das jetzt? Natürlich nicht, ich habe die Flammenwerfer um die Bühne herum vergessen, die bei Bedarf jeweils 128 Feuerstöße pro Minute und mehr geleistet haben.

Jonas Ohland: DiskokugelnIhr merkt es schon: Jeder, der sich mit einem Epilepsie-Leiden oder zu viel LSD im Blut auf die Tanzfläche gewagt hat, wurde nicht sehr alt. Für alle anderen hatten die Lichteffekte aber einen potenzierenden Effekt auf das Erlebnis. Drogen brauchte man hierfür nicht, das erledigte die Musik mit den Lichteffekten schon für einen.
Selbstverständlich war der OpenAirFloor nicht der einzige Floor mit einer atemberaubenden Lichttechnik, aber alles im Detail zu schildern würde hier den Rahmen sprengen. Nur ganz kurz ein paar Fakten: Das ClassicTerminal wartete mit einer Oldschool-Neon-Dekoration und 190 Scheinwerfer auf, das HouseOfHouse besaß vier riesige, mit LED-Scheinwerfern bestückte Kronleuchter und der CenturyCircus durchflutete seine Hallen mit Licht aus zwölf LED-Dreiecken á 50 Quadratmeter an der Zeltdecke.

Bei so viel Epicness ging einem schon recht schnell die Puste aus. Eine ganze Nacht zu überleben ist enorm schwierig, wenn die Beine nach 90 Minuten eines guten Acts bereits Gummi sind. Dagegen half ein neues Szenengetränk, das bis dato niemand von uns kannte: „Storm – H2O + Coffein“. Natürlich war es mit seinen Festivalpreisen teuer, doch die Wirkung lässt sich nicht leugnen. Das Wasser war kühl und erfrischend, ohne Alkohol, Kohlensäure, Zucker oder anderer Chemie, das Koffein war in noch vertretbaren Mengen beigemischt (1,7 mal so viel wie in Cola und viel weniger als in Kaffee). Nach einer Flasche davon war man augenblicklich wieder in der Lage, ein weiteres DJ-Set durchzufeiern. Wir finden es jedenfalls bedauerlich, dass es bislang nicht in den Clubs zu finden ist.

Doch das Allerwichtigste habe ich hier noch gar nicht angesprochen: Die Musik. Dazu gibt es bald noch einen gesonderten Bericht!

Bis dahin: Clear Skies!
Ch3shire / Jonas Ohland

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