Dierk Seidel

Lila Panini und der Winter im Advent

Es war ein wunderbarer Wintertag. Die Sonne schien, es war kalt und das Eis auf dem Aasee funkelte.
Lila Panini war auf dem Weg zum Aasee. Fast seine ganze Klasse lief ihm hinterher. Alle seine Mitschüler und Mitschülerinnen hatten Schlittschuhe über der Schulter hängen und waren extrem neugierig. Lila Panini hatte ihnen von Sunshine Moon, dem Zauberwesen vom Aasee, erzählt. Heute durften sie Sunshine Moon kennenlernen. Und heute sollte es endlich wieder Action geben. Aber als sie am Aasee ankamen, war es absolut still.

Lila Panini rief laut nach seinem Freund.

„Sunshine Moon, wir sind da, wo bist du?“

Der Sound eines Vibraphons ertönte, aber der Sound wurde übertönt von Eis, das knackte. Dann sahen alle das Zauberwesen. Sunshine Moons Haare sahen aus wie die von Albert Einstein, nur gefroren. Als Kleidung trug er eine Art enganliegendes weißes Nachthemd. Es lag allerdings nur so eng an, weil Sunshine Moons Körper eingefroren war. Langsam löste sich das Eis von seinem Körper, einzelne Eisstückchen flogen durch die Luft, bis er vollständig befreit war.

„Hallo Lila Panini. Verzeih meine Verzögerung. Ich war etwas lange im Wasser. Ich habe den Fischen etwas zu Essen gebracht. Und dann bin ich doch tatsächlich eingefroren. Verrückt. Sowas ist mir auch bisher erst 264-mal passiert. So langsam werde ich aber wieder warm.“

„Das freut mich, Sunshine Moon, oder wie soll ich dich diesen Monat nennen?“

„Nenn mich Eisbonbon. Aber bitte schön betont. Nicht so „bong bong“. Alternativ find ich Eisbibi auch ziemlich cool. Cool. Verstehste?“

„Ja, Eisbibi. Verstehe ich. Ist aber nur so halb witzig.“

Dann drehte sich Lila Panini zu seiner Klasse um. Zeigte auf Eisbibi und sagte:

„Darf ich vorstellen? Das Zauberwesen Eisbonbon. Eisbonbon, meine Klasse 6f.“

„Hallo Klasse 6f, wie schön, dass ihr hier seid. Wir haben viel vor. Die Sonne macht mich wach. Auf geht’s. Zieht eure Schlittschuhe an. Das Eis ist bereit für uns.“

Da trat der kleine Ringo Ringer vor. Er war neu in der Klasse und war etwas besorgt. Erst erfuhr er, dass Lila Paninis Eltern bei der Münsteraner Mafia sind, dann dass gerade dieser Junge ein Zauberwesen kennt. Dem Braten traute er nicht.

Er sagte:

„Ich bin mir nicht sicher, ob ich das möchte. Woher wissen wir, dass das keine Falle ist?“

„Was denn für eine Falle?“, fragte Eisbibi.

„Na so zum Beispiel, dass das Eis einbricht und du uns alle in den Abgrund ziehen willst.“

„Oh, wie schrecklich. Das ist ja ein furchtbarer Gedanke. Aber natürlich, ich verstehe dich gut, wenn ich solche Sorgen hätte, dann würde mich auch vor dem Eislauf drücken.“

Er schaute in die Runde.

„Gebt mir fünf Minuten.“

Dann rannte Eisbibi los und während er rannte, flackerte es, der Vibraphonsound ertönte etwas verzerrt und er war verschwunden. Lila Panini und seine Klasse blieben ratlos zurück und Lila Panini war etwas in Sorge. Er hatte so viel vom Zauberwesen geschwärmt und nun war es schon wieder weg.

Plötzlich ertönte eine Fanfare. Im Anschluss hörten die Kinder ein lautes Knacken. Sie drehten sich um in Richtung Stadt und rissen die Augen auf.
Drei riesige weiße Kugeln rollten auf den Aasee zu, die Kinder sprangen gerade noch rechtzeitig zur Seite. Die Kugeln polterten die Treppen hinunter, krachten aufs Eis und rollten dann ca. 50 Meter über den See.

„Gleich bricht das Eis und die Kugeln platschen in den See und dann sehen wir ja, was wir davon haben“, sagte Ringo Ringer.

„Niemals, das Eis ist sicher“, erwiderte Eisbibi.

Wo kommt er denn wieder her, fragte sich Lila Panini und rieb sich verwundert die Augen.

„Ich verspreche dir, das Eis hält. Die Kugeln sind der Beweis.“

Viele Kinder nickten und waren überzeugt. Sie zogen sich ihre Schlittschuhe an, staksten auf das Eis und fuhren im Slalom um die Kugeln. Nach ein paar Minuten traute sich auch Ringo Ringer aufs Eis.
Lila Panini blickte zu Eisbibi.

„Du hast ja gar keine Schlittschuhe an. Kommst du nicht mit?“

„Ach, puh. Das war ganz schön anstrengend mit den Kugeln. Ich trink erstmal nen Tee und ruhe mich etwas aus. Aber die Action hat Spaß gemacht. Und nun aufs Eis, bevor es schmilzt.“

„Was?“

„Nur nen Spaß. Das hält.“

„Dann ist ja gut. Wie toll, dass es mal wieder kalt genug ist. Aber schade, dass du nicht mitkommst, Eisbonbon.“

„Ich bin immer bei dir. Nur siehst du es vielleicht nicht, mein Freund.“

Lila Panini lächelte, stolperte auf den See und fuhr zu seiner Klasse, die mittlerweile in einer riesigen Menschenkette über den See fuhr und Weihnachtslieder sang. Etwas schief, aber schön, dachte Eisbonbon. Dann holte er aus einer Tasche, die gerade eben so aufgetaucht war, eine Thermoskanne und einen Becher, schenkte sich Tee ein und freute sich über diesen wunderbaren Winteradventstag.

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Und falls ihr mehr über Lila Panini erfahren wollt, und die früheren Geschichten noch nicht kennt, empfehle ich euch folgende Lektüre in chronologischer Reihenfolge:

Lila Panini und der Kauzelwutz

Lila Panini auf Spurensuche

Lila Panini el Kauzo und der Doppelstern

Lila Panini, Hans Rudolph und das Ende des Sommers

Lila Panini, Kauzelwutz und die Müdigkeit des Seins