Dierk Seidel
Vorwort
Wer „Edda“ noch nicht kennt, schaut vielleicht zuerst in die Geschichte „Edda und das Nichts“ hinein. 2022 entstand sie nach einem Besuch am Strand von Sauðárkrókur im Norden Islands. Die Geschichte ist hier nachzulesen:
https://www.kulturkater.de/edda-und-das-nichts/
Danach folgten dann „Edda denkt“ (2025) nach einem erneuten Besuch an dem Strand und „Edda und der Brief“ (2026). Es musste einfach weitergehen mit Edda.
https://www.kulturkater.de/edda-denkt/
https://www.kulturkater.de/edda-und-der-brief/
Die neuste Geschichte heißt nun „Edda geht in die Luft“. Und es ist sicherlich nicht die letzte Geschichte über Edda.
Edda geht in die Luft
Die Tickets waren auf Skúlis und Eddas Namen ausgestellt. Woher wusste der Verlag oder dieser Autor von Skúli, hatte sich Edda gefragt, und auch ihr Vater hatte sich die Frage gestellt und er hatte die Frage auch dem Verlag gestellt, doch dort wussten sie von nichts. Die Mitarbeitenden, die sich um den mysteriösen Autor kümmern, seien alle im Urlaub, sagte man Eddas Vater. Und so telefonierte er weiter, erst mit Skúlis Vater, dann sehr lange mit Eddas Mutter, was er weder oft noch gerne machte, dann mit Hildruns Tante in der Nähe von Bremen, dann wieder mit Eddas Mutter, doch von all den Telefonaten bekam Edda nichts mit, da sie am Strand von Sauðárkrókur saß und sich überlegte, was dort in Deutschland passieren würde, doch je länger sie darüber nachdachte, blockierten ihre Gedanken, sie blickte nach vorne zum Wasser und sah einen Baumstamm, der angetrieben wurde und sie stellte sich vor, dass dieser Baumstamm in der Leere ihres Kopfs hin und her polterte, sie vergrub sich in ihrer Kapuze und schrie laut. Edda mochte Ruhe, sie mochte keinen Lärm, sie wollte nicht schreien, aber sie schrie, um den Autor zu verwirren, etwas tun, mit dem er nicht rechnete, aber hat er vielleicht genau dies geschrieben? Sie nahm ihr Rad und schob es bis zur Strandöffnung und fuhr über die Borgargerði nach Hause.
In der Küche saß ihr Vater und trank Kaffee.
„Setz dich“, sagte er ruhig.
„Ich muss morgen aufs Meer. Touris, du weißt schon, Orri, der Mann von Skúlis Tante, der muss morgen in die Hauptstadt. Ihr fahrt früh los, gegen 4 Uhr. Die eine Nacht kannst du dann zu deiner Mutter“, Edda verzog ihr Gesicht, „das geht nicht anders, sie sagte, sie würde aufräumen und sich Zeit nehmen, und Dienstag fliegen du und Skúli dann nach Hamburg. Da tut ihr, was ihr tun müsst und was Hildruns Tante erlaubt, sie übernimmt die Verantwortung. In zwei Wochen fliegt ihr mit Hildrun wieder zurück.“
„Papa, warum, warum machst du das alles? Für ein Hirngespinst, für ein Geheimnis, für ein Rätsel?“
„Ach, Edda, ich war auch mal in deinem Alter, hier oben, hier oben ist doch außer Fisch und den Pferden nichts, einfach nur nichts.“
Edda lächelte und dachte, genau, das ist doch das Schöne. Aber sie sagte es nicht.
Ihr Vater fuhr fort: „Außerdem kannst du dann mal deine Deutschkenntnisse anwenden.“
„Danke, Papa“, sagte Edda, umarmte ihren Vater und begann zu packen.
Der folgende Tag und selbst die Zeit bei ihrer Mutter vergingen wie im Rausch. Kurz nachdem sie in Keflavik abgehoben waren, überflogen sie die Westmännerinseln. Edda schaute zu Skúli.
„Kneif mich mal.“
„Warum?“
„Damit ich begreife, dass wir wirklich fliegen.“
Skúli zwickte Edda in die Schulter.
„Auuuh, nicht so feste.“
Dann lachte sie, blickte ihn einen sehr langen Moment an und sagte:
„ Skúli, wir fliegen, merkst du das, ein Abenteuer kommt auf uns zu, wir fliegen.“
„Ja, Edda, wir fliegen.“