Dierk blickt auf die Welt. Aus verschiedenen Perspektiven. Mal kurz, mal etwas länger, mal in zusammenhängenden kurzen Reihen oder ganz für sich. Perspektbriefwechsel.

Dierk Seidel Kurzgeschichte: Zwischenwelten

Ich bin wach und voller Ungeduld und fühle mich nicht frei. Warum? Ich warte auf den Tag an dem jemand kommt und etwas sagt. Wer es ist, das weiß ich nicht. Ich starre an die Decke, liege auf meinem Bett, ohne Decke, und starre vor mich hin. Das Neonlicht der Gedanken zermürbt mein Empfinden und ich schließe die Augen und erblicke einen leeren Raum. Meine Kleidung weiß, alles weiß und die Wände kommen näher.

Dierk Seidel Kurzgeschichte: Spiegelgesicht

Soll ich mich rasieren oder lieber nicht, frage ich mein Spiegelbild und es schweigt.
Ziehe ich eine Jeans an oder lieber eine Stoffhose, frage ich mein Spiegelbild. Und es schweigt.

Dierk Seidel Kurzgeschichte: Fisch ist tot

„Du bist langweilig“, sagte Fisch.
„Ich weiß, ich weiß, das hat mir vorhin schon einer gesagt. Aber ich weiß nicht so ganz, was ich dagegen machen kann. Ich suhle mich den ganzen Tag in einem Eimer voll Aufmerksamkeit. Schwimme förmlich darin, und dennoch sagt man, mein Wesen sei langweilig. Passt nicht. Gestern noch. Ich dachte, dreh‘ ich mal voll auf. Hab den Fernseher ganz laut gemacht und das Fenster aufgemacht. Dazu hab ich meinen Apfelsaft aus der Flasche getrunken.“

Dierk Seidel Kurzgeschichte: Das Schweigen der intrinsischen Motivation

Wenn am letzten Tag der erste Ton erklingt, dann spüre ich, dass es nach unendlich langer Zeit geschafft ist. Wenn am letzten Tag der erste Ton erklingt, dann weiß ich, dass wir überlebt haben und dass wir nicht die einzigen sind.Denn wir haben den Ton nicht erklingen lassen. Wie eine Ode an die Freude, wie eine kleine Horrorshow oder eine Rockoper a la Tommy, wie Pink Floyd auf Anabolika, wie …