Maria Weidenfeller
Schilda Trilogie Teil II
Das „Haus, das Verrückte macht*“
Da hatte frau doch letzthin ein wahrlich kompliziertes Ansinnen! Frau hatte den antiquierten Wunsch, etwas über Einkommensteuer zu erfahren! Im Vertragsentwurf stand doch tatsächlich der Hinweis, dass für innerfamiliäre Schenkungen unter Umständen Einkommensteuer zu zahlen wäre.
Phase I
Frohen Mutes wählte frau die Durchwahl des hauseigenen Finanzbeamten = derjenigen, der alle Jahre wieder die Steuererklärung absegnet. Das Telefon schien zu funktionieren, es rief … und rief… und rief… Auch den Ruf der Zentrale hörte es, und rief… und rief… Die nette Dame – doch, auch bei Finanzämtern gibt es hier und da nette Menschen – vermeldete frau, dass begehrter Herr nicht antworte, und sie gab frau viele Zahlen – die Durchwahl, frau bedankte sich brav mit dem Hinweis, dass auch ihre Bemühungen nicht von Erfolg gekrönt waren.
Phase II
Noch immer voller Zuversicht suchte sich frau das zentrale Finanzamt, und wurde dort im Menü fündig mit „Service und Informationen“ – boah, dachte frau, was hast du ein Glück! Also, die Zahlen frisch und fix ins Telefon gehackt – freie Leitung, noch mal Glück! Ja und dann – jemand erbarmte sich, und nahm Frage von frau entgegen – siehe oben. Freundliche Mitteilung: Da sind die Kollegen in XY von der Grund- und Grunderwerbssteuer zuständig. Wiederum bekam frau viele Zahlen, notierte sie brav.
Phase III
Mit einem Rest an Zuversicht hackte frau wiederum (abermals) viele Zahlen ins Telefon – warten, Freizeichen, warten, Freizeichen – Heureka, es meldete sich jemand! Endlich, endlich würde frau um einen wichtigen Sachverhalt schlauer sein! Brav trug sie ihre Frage vor, und die etwas ungeduldige Stimme säuselte Antwort durch den Äther: Dafür sind wir hier nicht zuständig, da ist die Einkommensteuerstelle der Ansprechpartner!!! Wie bitte? Da komme ich doch erst her? Freundlich (doch, tatsächlich!) bedankt sich frau, und beginnt, nachzudenken.
Phase IV
Frau erledigt seit Jahren die Steuererklärung selbst, hat also keinen aus der Zunft der Steuer- und Geld-aus-der-Tasche-ziehen-Berater an der Hand. Was tun? Die Zeit drängte, und die nötige Information fehlte noch immer.
Letzte Rettung: Online-Portal, wo frau fragen kann aus vielerlei Fachgebieten. Gedacht, getan, innerhalb von 30 min, mit ein paar geschriebenen Buchstaben, und ein paar Sätzen am Telefon waren alle Fragen geklärt, sogar noch weitere Fragen in anderer Sache fachkundig beantwortet, und das für ein paar Euro.
Fazit:
Schilda-Deutschland-Dienstleistungswüste lässt grüßen!
*aus „Asterix und Obelix erobern Rom“