Malte Klingenhäger

Altes Boot

Malte Klingenhäger Gedicht: Altes BootAltes Boot, wo kommst du her?
Du siehst arg verlassen aus.
Bei diesem Seegang hast du’s schwer,
treibst zum Horizont hinaus.

Holz, Metall und spröde Dichtung,
trennen dich vom Meeresgrund.
Keine Mannschaft, keine Verpflichtung,
kein Geheiß aus Menschenmund.

Wer schaut wen an, wer notiert,
wenn ich dich mit dem Fernglas sichte,
wer kann mir sagen, was passiert,
wenn ich Fragen an dich richte.

Nein, Schwipp-Schwapp ist keine Antwort,
da klatscht bloß Wasser an den Kiel,
sag‘, sind alle von dir fort,
weil ihnen dein Schweigen nicht gefiel?

Ich bin nicht bös‘ drum, dich zu sehen,
dein Müßiggang folgt jedem Recht,
doch würd‘ ich dich bitten abzudreh’n,
ging’s meinem Boote alsbald schlecht.

Zu stur verweigerst du das Lenken,
dann weich‘ halt ich aus, dummes Boot,
war kurz davor, dich zu versenken,
nun vorbei an dir ins Abendrot.

Bald hinter mir und ohne Schwung,
treibst ohne Menschenallerlei,
Keine Mannschaft, keine Verpflichtung,
dafür weiter frei.

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