Kurzgeschichten, Fabeln uvm.

rot, blau, grün

Die Bässe kitzeln auf meiner Haut, als ich die großen Boxen passiere, die den Halleneingang flankieren. Beiläufig nehme ich die warme Hand meines Trainers auf meiner Schulter wahr. Ich schaue immer wieder kurz auf. Die Ränge haben sich noch nicht ganz gefüllt, überall blitzt das Rot der leeren Stühle hervor. Snobs. Greifen nicht den ganzen Wert ihres Tickets ab, kommen nur zu den Hauptkämpfen. Manchmal hasten sie sogar vorher aus der Halle, damit sie schneller aus dem Parkhaus kommen.
Die kümmern mich nicht.

Mitten Nebeneinander

Deine Avancen damals. Deine. Boris drückt aufs Gaspedal. Wenn sie sich schon darüber streiten, von wem die erste Annäherung ausgegangen ist, dann sind die Weichen für den garstigen Verlauf der nächsten Wochen gestellt. Eine Diskussion darüber, welcher der Partner der vermeintlich Verantwortliche für die Beziehung ist, fällt schon in die Insolvenzverwaltung derselben.

Gepfändeter Tag

Bedächtig stapfte der alte Lukas etwas abseits des Weges durch den Wald. Eigentlich, dachte er, sollte es doch langsam wieder hell werden, aber vielleicht war auch sein Zeitgefühl aus dem Takt. Er hatte die Nacht im alten Jagd-Unterstand verbracht und bitterlich gefroren. Deswegen war er früher wach geworden als sonst. Allerdings schienen auch seine beiden Terrier vom neuen Tag noch nicht recht überzeugt und hielten sich in seiner Nähe, statt wie üblich weit vorneweg durch das Geäst zu tollen.

Klar-träum-ich

“Außerdem musst du ein Gefühl für das Unmögliche bekommen”, fügte Ludger hinzu, worauf ihn Moritz verständnislos anblickte.

La Niña

Jedes Erwachen schöner als das vorige: das Licht der Sonne heller, die Laken weißer, die Luft milder und der Gesang der Vögel anregender. Das sanfte Profil des elfenbeinfarbenen Pos meiner Geliebten geht neben mir in den verspielten Wellen der weißen Sommerdecke auf. Ihr leises Murmeln, wenn ich ihr sanft über ihre Backen streichle, klingt wie ein leiser Trommelwirbel, der erwartungsvoll auf etwas, auf mich und in die Welt hinauswill. Ich atme kräftig ein.

Messerwerfer

Meine mörderische Karriere begann mit 16, als ich am ersten Tag meiner Ausbildung einen lebenden Hummer in den Kochtopf warf. Sie endete vor 8 Stunden, als ich wütend ein großes Küchenmesser in Richtung unseres Jungkoches Fabian schleuderte, das ihm den Hals aufschlitzte. Jetzt sitze ich an einem runden Tisch zwei Männern gegenüber, von denen der eine ein Polizist, der andere Psychologe ist. Irgendwo links neben mir in der Ecke hockt auch noch ein Protokollant und drückt stumpfsinnig auf einem Aufnahmegerät im Taschenformat herum.